Interview mit Alexa Seewald zum Projekt „ANDERSRUMportrait“

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Foto: Alexa Seewald, ANDERSRUMportrait

2010 startete Alexa Seewald das internationale Kunstprojekt ANDERSRUMportrait. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die sich andersrum fotografieren lassen und damit ein individuelles Zeichen für das „Andersrum-Sein“, also das „Nicht-heteronormativ-Sein“, setzen. Und das ganz unabhängig von der eigenen sexuellen Orientierung oder Identität.

Ich bin durch die Ausstellung in Schwerin darauf aufmerksam geworden, die zwischen Juni und September zeitgleich im Kunsthaus, im Stadthaus sowie entlang der Schlosspromenade stattfand.

Für mich ein kleines Highlight, nenne ich doch Schwerin auch meine Heimat. Deshalb war ich um so stolzer, das Oberbürgermeister Rico Badenschier dem Projekt eine Bühne gab. Auf der Website www.schwerin.de sagte er: „Schwerin ist eine Stadt der Vielfalt und der Toleranz. Deshalb unterstütze ich das Anliegen dieser Ausstellung, Vorurteile gegenüber andersartigen Lebensentwürfen oder einer andersartigen sexuellen Orientierung abzubauen. Sehr originell ist der künstlerische Ansatz dieses Projekts: ANDERSRUM lädt zum Perspektivwechsel ein, ist eine freundliche Aufforderung, sich in die Situation von Menschen hineinzuversetzen, die anders als man selbst sind.“

Anlässlich dieser tollen Ausstellung habe ich die Gelegenheit genutzt, Alexa Seewald ein paar Fragen rund um das Kunstprojekt zu stellen. Obwohl sie beruflich aktuell sehr eingespannt ist, nahm sie sich die Zeit und beantwortete mir meine Fragen. Lest selbst, worüber wir sprachen.

Queer durch die Medien: Wie kamen Sie auf die Idee, eine Kunstausstellung ins Leben zu rufen, die auf diese Weise ein Statement für Diversity und gegen Diskriminierung abliefert?

Alexa Seewald: Zunächst war es reine Neugier. Ich wollte nicht heteronormativ lebende Menschen von ihrer Rückseite zeigen und damit verdeutlichen, dass man ihnen nicht ansehen kann, wer sie sind und wen sie lieben. Sexuelle Orientierung und die eigene Identität rückten im weiteren Verlauf des Kunstprojektes immer mehr in den Mittelpunkt. Mittlerweile fotografiere ich alle Menschen – ganz unabhängig von ihrer Identität und Orientierung. Mir ist wichtig, dass die Menschen, die ich fotografiere, mit ihrem Bild für die Akzeptanz von Vielfalt einstehen wollen.

Queer durch die Medien: Was möchten Sie mir diesem Kunstprojekt ausdrücken?

Alexa Seewald: Ich möchte mit ANDERSRUMportrait eine Sichtbarkeit von Vielfalt erreichen, wobei es mir in erster Linie um ein klares Statement gegen Heterosexismus geht.

Queer durch die Medien: Mittlerweile befinden sich knapp 4.000 Portraits in dem Kunstprojekt. Haben Sie je damit gerechnet, dass es so viele sein werden?

Alexa Seewald: Nein, am Anfang habe ich mit dieser überwältigenden Resonanz natürlich nicht gerechnet. Mittlerweile glaube ich, dass sich diese Zahl noch vervielfachen wird, da das Projekt – Stand heute – noch lange nicht vorbei sein wird.

Queer durch die Medien: Vor kurzem war die Ausstellung ANDERSRUMportrait in Schwerin zugegen. Dort wurden einige Kunstobjekte beschädigt. Was haben Sie empfunden, als Sie davon erfahren haben?

Alexa Seewald: Die Tatsache, dass sich Menschen an dem Thema und damit auch an meinem Projekt reiben, empfinde ich als sehr positiven Effekt. Ich möchte mit ANDERSRUMportrait wachrütteln und eine Diskussion anstoßen bzw. am Leben halten, denn wir sind noch lange nicht so weit in Sachen Akzeptanz von Vielfalt, wie viele Menschen geglaubt haben. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen in vielen Ländern ein politischer und gesellschaftlicher Trend in die entgegengesetzte Richtung geht, möchte ich mit ANDERSRUMportrait ein entschiedenes Zeichen für eine vielfältige Gesellschaft setzen, in der es keinen Platz für Heterosexismus gibt.

Queer durch die Medien: Wie ist das Feedback von Seiten der Ausstellungsbesucher ausgefallen?

Alexa Seewald: Die meisten Menschen, die meinem Projekt begegnen – egal, ob bei einem Fotoshooting oder einer Ausstellung – reagieren offen und interessiert. Nur wenige Menschen trauen sich, ihre Vorbehalte oder Vorurteile offen zu äußern. Jedes Mal, wenn das passiert, sehe ich das als große Chance für einen Austausch und ein Überdenken des Standpunktes der anderen Person.

Queer durch die Medien: Was ist für die kommende Zeit geplant? Wo werden Sie als nächstes ausstellen?

Alexa Seewald: Nach der überwältigenden Open-Air-Ausstellung von ANDERSRUMportrait vor dem zukünftigen Weltkulturerbe Schweriner Schloss lege ich mit diesem sehr aufwändigen Kunstprojekt eine kreative Pause ein. Mir liegen zahlreiche Anfragen für Ausstellungsprojekte aus dem In- und Ausland vor, die ich jedoch zum jetzigen Zeitpunkt nicht realisieren möchte.

Queer durch die Medien: Eine Frage zum Schluss: Wie können sich Leute bei Ihnen bewerben können, um als Fotomodell Teil des Kunstobjekts zu werden?

Alexa Seewald: Die Fotoshootings sind öffentlich, so dass jeder Interessierte daran teilnehmen kann. Die Termine werden auf der Webseite des Projektes www.andersrumportrait.de angekündigt.

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Foto: Alexa Seewald, ANDERSRUMportrait

2 Gedanken zu „Interview mit Alexa Seewald zum Projekt „ANDERSRUMportrait“

    1. Ich finde dieses Projekt einfach klasse. Es zeigt, dass man Menschen nicht allein aufgrund ihres Aussehens beurteilen kann. So ein wichtiges Zeichen!

      Und vielen Dank. Ich habe mich auch riesig gefreut, dass sich Alexa Seewald Zeit genommen hat für mich. 😊

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