Review „Guapa“

Ein junger Araber, der mit seinem Leben hadert, sich nirgends zugehörig fühlt und dessen Geheimnis – eine Beziehung zu einem anderen Mann – ans Licht kommt? Als ich erfuhr, worum es in dem Buch „Guapa“, dem Debüt von Saleem Haddad ging, war ich sofort Feuer und Flamme. Ich wollte mehr wissen, wollte erfahren, wie Rasa zu dem Mann wurde, der er ist und ob er es am Ende doch noch schafft, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Und ganz ehrlich, ich war auch neugierig, zu erfahren, ob es ein Happy End mit ihm und seiner Liebe Taymour gibt. Doch wer würde das nicht wollen?

Klappentext

Vierundzwanzig Stunden, die alles verändern: Nachdem sein unaussprechliches Geheimnis entdeckt wurde, nimmt das Leben des jungen Rasa eine radikale Wendung. Der Arabische Frühling erschüttert das Land, sein bester Freund verschwindet im Foltergefängnis der Machthaber – und seine wichtigsten Beziehungen drohen zu zerbrechen. Während um ihn herum die Welt aus den Fugen gerät, muss er sich entscheiden: zwischen Resignation und Flucht nach vorn, in eine ungewisse Zukunft.


Meinung

Als ich den ersten Satz des Buches: „Der Morgen beginnt mit Scham.“ las, brach es mir sogleich das Herz. Denn mit wenigen Wörtern sagt er exakt aus, wie der Protagonist Rasa sich in diesem Moment fühlt, wo er im Leben steht und was sein Umfeld vom seinem Lebensstil hält.

Allerdings war mir zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, auf welche Achterbahnfahrt ich mich mit „Guapa“ begeben würde. Denn Rasa muss nicht nur damit klarkommen, dass seine Großmutter Teta ihn mit einem Mann im Bett erwischt hat, er muss sich vielmehr darüber im Klaren werden, wo er in der Gesellschaft steht. Einer Gesellschaft, die von althergebrachten Traditionen geprägt ist und die nicht seinen eigenen Idealen entspricht.

Beim Lesen kann man Rasas innere Zerrissenheit förmlich spüren. Mal sieht er sich als arabischen Jungen man an, der sich in die Gesellschaft mit all ihren Gepflogenheiten einfügen will. Ein anderes Mal hingegen wird er von dem Drang übermannt, mit der Rebellion, die seine Stadt erfasst hat, mitzugehen und seine Heimat zu einem besseren Ort zu machen.

In meinen Augen gibt es drei Schlüsselmomente, die sehr gut Rasas Kampf mit sich selbst verdeutlichen – der sowohl die arabische Welt als auch die westliche Welt kennt -, den er schlussendlich auch gewinnt.

Da ist die Szene im Polizeigefängnis, in das er gehen muss, um seinen besten Freund Maj rauszuholen, der auch schwul ist und sich gegen das Regime auflehnt. Einerseits sieht sich Rasa in gewisser Weise ebenfalls als Rebell, der gegen die Obrigkeit kämpfen will, andererseits knickt er förmlich unter den Verhörmethoden der Regimepolizei ein. Er fügt sich und gibt ihnen genau die Antworten, die sie hören wollen.

Der zweite Schlüsselmoment ist meines Erachtens die Diskussion mit seinem ehemaligen Schulkameraden Hamza, der dem Regime angehört und nicht sieht, dass es der Bevölkerung schlecht geht. Zunächst will sich Rasa nicht auf eine Unterhaltung mit ihm einlassen, aus Angst, in Gewahrsam genommen zu werden. Doch schon nach kurzer Zeit reicht es ihm und er erhebt die Stimme gegen Hamza und das bestehende Regime der Stadt.

Ein weiterer wichtiger Moment, der dazu führt, dass Rasa langsam mit sich ins Reine kommt, ist der Abschied von seinem Geliebten Taymour auf dessen eigener Hochzeit, der sich aus Angst in die Ehe mit Leila flüchtet. Für beide keine leichte Sache, doch Rasa weiß genau, dass er sich von Taymour lossagen muss, um selbst glücklich zu werden.

Ehrlicherweise kann man nicht sagen, dass Rasa sich am Ende des Buches komplett selbst gefunden hat. Doch die Unterhaltung, die er am Ende des Buches mit Maj führt, lässt erahnen, dass er auf den richtigen Weg ist:

Rasa: Vielleicht sollten wir zu einer Demo gehen.
Maj: Jaja. Super Idee. Lass uns zu einer Demo gehen. Und gegen wen sollen wir demonstrieren?
Rasa: Gegen alles und jeden.

Fazit

Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, der mal einen Einblick in eine Welt zu erhalten, die geprägt ist von archaischen Traditionen. Der erfahren will, wie es ist, nicht nur arabischer Abstammung, sondern auch schwul zu sein und sich vor der Gesellschaft verstecken zu müssen.

Wer allerdings darauf steht, dass der Protagonist mit seiner Liebe gen Sonnenuntergang reitet, der sollte sich gut überlegen, dieses Buch zu lesen. Denn es geht in dem zugegeben sehr emotionalen Buch zwar auch im die Beziehung zwischen Rasa und Taymour, doch ist diese Liebe nur ein Teil der Geschichte, der nicht mal gut ausgeht. Man muss sich also auf eine Runde Herzschmerz einstellen.


Fakten zum Buch

Titel: „Guapa“ | Autor: Saleem Haddad
Verlag: Albino Verlag, Berlin| Erscheinungstermin: 15.03.2017 | Seitenzahl: 392 Seiten
ISBN: 978-3-959-85084-1| Preis: 16,99 Euro

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