Review: „Und dann gehört die Zeit uns“

Ein Vampir und ein Mensch treffen aufeinander und verlieben sich unsterblich ineinander, obwohl sie eigentlich nicht zusammen sein sollten? Als ich mir den Klappentext von „Und dann gehört die Zeit uns“ durchlas, musste ich sofort an die „Biss“-Buchreihe und irgendwie auch an „Romeo und Julia“ denken.

Und in Teilen entsprach der Roman von Jessica Martin auch sowohl der Buchreihe von Stephenie Meyer als auch der Shakespeare-Tragödie. Denn Hunter (der Vampir) kann sich ähnlich wie Edward aus den Biss-Büchern nicht dagegen wehren, dass er sich zu Lorenz (der Mensch) hingezogen fühlt – und das nicht nur des Blutes wegen. Zudem muss Lorenz sterben, damit die beiden endlich richtig zusammen sein können. Auch Romeo und Julia mussten den Tod wählen, um als Paar vereint zu sein.

Klappentext

Für einen Vampir ist es das Todesurteil, seinem Lotos zu begegnen – und gleichzeitig das größte Geschenk, wenn auch nur für wenige Tage. Denn nach dieser Zeitspanne des Liebesglücks bedeuten Mensch und Vampir füreinander den Tod.

Vampir Hunter bricht mit dieser Regel, als er auf seinen Lotos Lorenz trifft, denn er bezwingt seinen überwältigenden Drang, Lorenz zu beißen. Er freundet sich nicht nur mit Lorenz an, sondern entwickelt auch tiefere Gefühle für den hübschen Studenten, die weit über ihre Lotosverbindung hinausgehen. Lorenz ist sich der Lebensgefahr bewusst, in der er schwebt, kann seine Gefühle für Hunter jedoch schließlich nicht mehr verleugnen. Hunter dagegen will ihn mit aller Macht vor dem Vampirdasein beschützen und setzt damit Lorenz‘ Vertrauen aufs Spiel. Verlieren sie nun alles oder gibt es noch einen anderen Weg für ihre Liebe?


Meinung

Als Lorenz und Hunter sich kennen lernen, ist Lorenz 15 Jahre alt. Schnell ist klar, dass Hunter sich aufgrund einer Lotosverbindung zu dem Jungen hingezogen fühlt, weshalb er sich entschließt, ihm fortan zu helfen. Die eigentliche Handlung setzt dann acht Jahre später ein und geht auch gleich in die Vollen: Nachdem Lorenz‘ Stiefvater erneut handgreiflich gegenüber Lorenz‘ Mutter (Tanja) wird, greifen Hunter und sein Vampirkumpel Kurt – die zuvor eine Drogenbande kaltblütig niedergemetzelt haben – ein und bringen die beiden um. Während Tanja sich aufgrund einer Anomalie im Blut allmählich in einen Vampir verwandelt, müssen sich Hunter und Lorenz über ihre Gefühle im Klaren werden. Und wo geht das am besten, als in einem Kurzurlaub am Meer.

Als sie dann wieder zurückkommen – frisch verliebt und sich ihrer Gefühle einig –, überschlagen sich die Ereignisse: Denn die Hintermänner der Drogenbande stellen sich als eine Gruppe von Vampiren heraus, die es Hunter und Kurt heimzahlen wollen. Der Tumult, in dem Lorenz gefangen genommen wird, endet damit, dass Lorenz getötet wird und sich durch einen Biss von Hunter in einen Vampir verwandelt. Zudem erfährt Kurt in einem Endkampf zwischen den Vampiren, der zugunsten Hunters und Kurts entschieden wird, dass er ebenfalls einen Lotos hat. Es ist David, Lorenz‘ Exfreund.

Insgesamt ist die Geschichte rund um dieses Liebespaar Hunter und Lorenz sehr interessant und wirklich eingängig. Besonders spannend finde ich die Tatsache, dass die Lotosverbindung für beide Parteien totbringend ist. Denn das Blut des auserwählten Menschen macht den Vampir abhängig und sorgt dafür, dass dieser von keinem anderen mehr trinken kann und schlussendlich wahnsinnig wird. Für den Menschen ist diese Verbindung ebenfalls fatal, da der Vampir sich nicht mehr kontrollieren kann und ihn bis aufs letzte Blut leer trinken würde. Dass Hunter und Lorenz es schaffen, diesem Schicksal zu entgehen und sich dagegen zu wehren, verdeutlicht, wie stark ihre Gefühle füreinander sind.

Zudem schafft es die Autorin, sehr bildhaft zu beschreiben, was alles im Buch passiert. So konnte ich beim Lesen regelrecht spüren, wie verwirrt, verzweifelt, wütend und verloren Lorenz ist, nachdem Hunter seine Mutter umgebracht hat. Ich litt mit ihm und wollte ihn am liebsten die ganze Zeit in den Arm nehmen. Gleiches gilt für die Träume, die Hunter im Buch hat. Sie werden sehr real beschrieben, ich hatte regelrecht das Gefühl, Hunter aus seinem Albtraum aufschrecken zu sehen.

Was mich allerdings irritiert hat: Ganz plötzlich scheint jeder Vampir seinen Lotos zu finden. Und das, obwohl es im gesamten Buch immer wieder heißt, dass das äußerst selten ist und es bislang keine wirklichen Aufzeichnungen dazu gibt. So finden Hunter und Lorenz zueinander, Julien und Tanja, ebenso wie Kurt und David. Für mich ein wenig zu viel des Guten.

Leider bin ich auch mit den Hauptcharakteren nicht so recht warm geworden. Lorenz ist in meinen Augen ein notgeiler 23-Jähriger, der immer nur an das eine denkt. Zwar hat er Grips – was sein Biologiestudium und sein medizinisches Interesse für den menschlichen und später auch vampirischen Körper verdeutlicht – allerdings kaufe ich ihm das die ganze Zeit nie so recht ab. In meinen Augen bleibt er nur ein neugieriger junger Mann, der seine eigene Sexualität ausleben will. Hunter nehme ich zwar die stoische Art zwar ab (nicht sonderlich schwer, sind doch Vampire in allen Büchern, Filmen und Serien meist so dargestellt), allerdings erfährt man nie wirklich etwas aus seiner Vergangenheit oder wie er so gelebt hat. Ziemlich schade, ist er doch schon so alt, dass er viel erlebt hat.

Interessanter hingegen finde ich Kurt, der mit Hunter befreundet ist. Sein Charakter ist, obwohl er nur eine kleinere Rolle im Buch spielt, sehr viel tiefgehender dargestellt. Man erfährt, dass er in seinem früheren Leben ein Vater zweier Mädchen war, die ihr Leben durch Drogen verloren haben. Seine Existenz als Vampir widmet er seitdem dem Kampf der Drogen und des Handels. Das macht ihn skurrilerweise doch wieder menschlich, obwohl er offensichtlich sehr viel mehr Spaß dabei verspürt, Menschen auszusaugen. Ich hätte wirklich gern mehr über ihn erfahren.


Fazit

Dieses Buch ist ein netter Zeitvertreib und ein wirklicher Schnell-Read. Denn die Geschichte geht runter wie Öl, ist also wirklich flüssig geschrieben. Allerdings kann ich das Buch nicht vorbehaltlos weiterempfehlen. Denn für mich hat es zu viele kleine Mankos. So zum Beispiel die Eindimensionalität der beiden Hauptcharaktere. Außerdem sind die meisten Handlungen der Charaktere im Buch irgendwie triebgesteuert, was sich auch in den zahlreichen erotischen Szenen zeigt. Diese waren für meinen Geschmack dann doch ein wenig zu viel.

Wer also auf Kitsch, „Liebe überwindet alle Grenzen“ und sexy Vampire steht, kommt hier auf seine Kosten. Wer allerdings eine Vampir-Geschichte mit unzähligen Plot-Twists lesen will, der wird hier meiner Meinung nach nicht fündig.


Fakten zum Buch

Titel: „Und dann gehört die Zeit uns“ | Autor: Jessica Martin
Verlag; Cursed Verlag, Taufkirchen| Erscheinungstermin: 14.09.2018 | Seitenzahl: 336 Seiten
ISBN: 978-3-95823-162-7 | Preis: 9,50 Euro (Taschenbuch)

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